Der
Orchestergraben ist hier nicht unten, sondern oben. Die sechs Musiker nehmen
nicht auf Stühlen Platz, sondern zwischen drei feurigen Hochöfen. Ihre
Instrumente sind nicht Geige und Trompete, sondern urzeitlich anmutenden
Brachial-Instrumente aus den Titanick-Werkstätten. Und es wäre nicht Titanick,
wenn nicht plötzlich die kolossal schönen Bauten und Stahlkonstruktionen ein
Eigenleben entwickelten.
Die
Musiker müssen sich ihren Part schon erobern, wenn sie bei dieser Sinfonie den
Ton angeben wollen. So sind die bekannten höflichen Gesten der
Orchestermitglieder untereinander auch recht bald als Fassade entlarvt. Hier
brodeln nicht nur Gase in den Rohren, sondern auch menschliche Animositäten
aller Couleur.
Getrieben
von Eitelkeit und Konkurrenz spielen die Musiker einfach virtuos - nicht nur
die musikalische Partitur, sondern auch auf der Klaviatur der menschlichen
Gefühle. Komische Szenen wechseln immer wieder mit Gänsehautmomenten. Die
Spannungen nehmen besorgniserregend zu, und man beginnt sich zu fragen, ob das
ein gutes Ende nehmen kann.
Doch
zum Glück hält nicht nur der Dirigent, sondern vor allem die komplexe Partitur
der Sinfonie alle bei der Stange und holt das Beste aus den Musikern heraus.
Ihre Liebe zur Musik zwingt sie der Sinfonie zu folgen. Sie können gar nicht
anders.
Die
Inszenierung gipfelt in überirdisch schönem Gesang, Flammen, Musik und
grandioser Pyrotechnik. Sie entlässt ein Publikum, das noch lange nach dem
Schlussapplaus dieses Fest der Sinne mit sich trägt.
2011
gewann die HOCHOFENSINFONIE den
Publikumspreis beim Internationalen Straßentheaterfestival in Holzminden.